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Mehrfachbelegung mit Pellets-Feuerstätten (Pellet-Ofen) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dipl.-Ing. (FH) Erich Bottesch   
Freitag, den 17. Dezember 2010 um 06:04 Uhr

Mehrfachbelegung mit Pellets-Feuerstätten

Situation

Seit mehreren Jahren sind Feuerstätten als Raumheizer für den Brennstoff Holzpellets (Pellet-Öfen) auf dem Markt und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Deshalb liegt der Wunsch vieler potentieller Käufer nahe, auch im Mehr-Parteien-Haus in den einzelnen Wohnungen jeweils eine solche Feuerstätte als Raumheizer einzusetzen. Häufig steht jedoch für die Abgasabführung nur ein freier Zug zur Verfügung, was automatisch zu einer Mehrfach-Belegung führt. Zusätzlich kann bei Feuerstätten, die für den raumluftunabhängigen Betrieb geeignet sind, die Verbrennungsluft über einen Luftschacht von der Mündung angesaugt werden, der z.B. konzentrisch um den Abgasschacht angeordnet ist (raumluftunabhängiger Betrieb am Luft-Abgas-Schornstein). Die Pellets-Feuerstätten erscheinen aufgrund ihrer Ausführung mit Gebläse für diese Betriebsart zunächst geeignet, zusätzliche sicherheitstechnische Anforderungen sind jedoch zu beachten.

Die Vorschriften-Lage

Maßgebend in Deutschland:

Feuerungsverordnungen (FeuVO) der Länder
Sie verlangen für jede Feuerstätte eine eigene Abgasanlage (§ 7 Abs. 5), jedoch dürfen mehrere Feuerstätten gemeinsam an einer Abgasanlage betrieben werden, wenn der feuerungstechnisch sichere Betrieb, z.B. durch eine Zustimmung im Einzelfall oder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, nachgewiesen wurde. Ferner verlangen die FeuVO für Festbrennstoff-Feuerstätten wie z.B. Pellet-Raumheizer rußbrandbeständige Abgasanlagen.

DIN V 18160-1
Sie ist in weiten Teilen durch ihre Nennung im Teil II der Liste der technischen Baubestimmungen bauaufsichtlich eingeführt und damit maßgebend für die Ausführung der Abgasanlagen in Deutschland. Im Abschnitt 9 sind z.B. Anforderungen an Luft-Abgas-Systeme (LAS) genannt, wobei diese Anforderungen derzeit auf Öl- und Gasfeuerstätten beschränkt sind, d.h. Luft-Abgas-Schornsteine sind vom Anwendungsbereich ausgeschlossen.

DIN EN 13384-2
Sie ist maßgebend für die feuerungstechnische Bemessung (Berechnung) von mehrfach belegten Abgasanlagen und mehrfach belegten Abgasanlagen mit Verbrennungsluft-Ansaugung über einen Luftschacht (LAS-Prinzip).

Blick über den Zaun

Seit vielen Jahren werden mit Erfolg gasbetriebene Heizkessel (Gasthermen) und Warmwasserbereiter raumluftunabhängig (C4-Geräte) am sogenannten mehrfachbelegten LAS (Luft-Abgas-System) betrieben. Die zusätzlichen Anforderungen sowohl an die Feuerstätten als auch an die Auslegung der Abgasanlagen finden sich in den DVGW-Arbeitsblättern G635 und G636.

Luft-Abgas-Systeme als eigenständige Systemabgasanlagen werden durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) auf der Basis eines entsprechenden Gutachtens allgemein bauaufsichtlich zugelassen. In diesem Gutachten sind Bauausführung und Auslegung (Belegungszahlen) zu bewerten.

Warum lässt sich das Verfahren (LAS für Gasfeuerstätten) nicht einfach auf Pellets-Feuerstätten übertragen?

Problem 1: Die Abgasanlage

  • Sie muss lt. FeuVO rußbrandbeständig sein (Kennzeichnung ...G...).
  • Sie muss für feste Brennstoffe geeignet sein (Korrosionsklasse 3).
  • In bestimmten Fällen ist eine feuchteunempfindliche Ausführung (W) notwendig, weil die Abgastemperaturen der Feuerstätten so niedrig sind, dass es im Abgasweg an der Innenseite der abgasführenden Bauteile zur Kondensation kommen kann.
  • Die Auslegung muss sicherstellen, dass die Abgasführung mit natürlichem Auftrieb (Unterdruck) erfolgt, weil für Überdruck geeignete Feuerstätten derzeit nicht am Markt sind.
  • Die Mündung der Abgasanlage muss so ausgeführt sein, dass sich Wind nicht unzulässig auf die Druckverhältnisse auswirkt.
  • Da DIN V 18160-1 Luft-Abgas-Schornsteine ausschließt und auch keine entsprechende europäische Norm existiert, brauchen solche Systeme zwingend eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.

Problem 2: Die Feuerstätten

  • Der Nachweis bei der Typprüfung erfolgt entsprechend der Produktnorm für Pellet-Raumheizer (Pelletöfen) DIN EN 14785 bei einem Unterdruck von 12 Pa im Abgasstutzen. Bei diesem hohen notwendigen Förderdruck (Zugbedarf) ist eine Mehrfachbelegung oder ein Betrieb an einem LA-Schornstein kaum umsetzbar. Detailliertere Angaben über das Verhalten der Feuerstätte bei entsprechend geringeren Unterdrücken sind notwendig.
  • Für eine rechnerische Bemessung im Rahmen eines Nachweises nach DIN EN 13384-2 ist die Kenntnis des abgasseitigen Widerstands der Feuerstätte für alle Betriebszustände notwendig. Die Standardvorgaben der DIN EN 13384-2 (Tabellenwerte) basieren auf Daten für herkömmliche Feuerstätten und müssen vor einer Anwendung auf Pellets-Feuerstätten hinterfragt werden.
  • Aufgrund des spezifischen Abbrandverhaltens bei Pelletfeuerstätten und des unterschiedlichen (nicht spezifizierten) Verhaltens der Feuerstätten bei Änderung der Druckverhältnisse im Abgasweg sind weitere sicherheitstechnische Betrachtungen hinsichtlich Wechselwirkungen der Feuerstätten untereinander notwendig.

Lösungsmöglichkeiten

Weil die derzeit geltenden harmonisierten Normen für Systemabgasanlagen aus Metall oder mit Keramik-Innenrohren diese speziellen Anforderungen nicht abdecken, ist eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Luft-Abgas-Schornsteine erforderlich. Dabei werden sowohl bauliche Gesichtspunkte (Ausführung der Mündung, Rußbrandsicherheit, Gasdichtheit) als auch die Auslegung (Bemessungstabellen auf der Basis von Eigenschaften der vorgesehenen Feuerstätten) berücksichtigt. Ebenso müssen Feuerstätten für den raumluftunabhängigen Betrieb einen Eignungsnachweis in Form einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung aufweisen, weil die raumluftunabhängige Betriebsweise in DIN EN 14785 nicht geregelt ist.


Langtitel der im Beitrag genannten Normen und technischen Regeln:

  • DIN V 18160-1 Abgasanlagen - Teil 1: Planung und Ausführung
  • DIN EN 13063-1 Abgasanlagen - System-Abgasanlagen mit Keramik-Innenrohren - Teil 1: Anforderungen und Prüfungen für Rußbrandbeständigkeit
  • DIN EN 13063-2 Abgasanlagen - System-Abgasanlagen mit Keramik-Innenrohren - Teil 2: Anforderungen und Prüfungen für feuchte Betriebsweise
  • DIN EN 13063-3 Abgasanlagen - System-Abgasanlagen mit Keramik-Innenrohren - Teil 3: Anforderungen und Prüfungen für Luft-Abgasleitungen
  • DIN EN 14989-1 Abgasanlagen - Anforderungen und Prüfverfahren für Metall-Abgasanlagen und materialunabhängige Luftleitungen für raumluftunabhängige Anlagen - Teil 1: Senkrecht angeordnete Luft/Abgas-Aufsätze für Abgasanlagen mit Gasgeräten des Typs C6
  • DIN EN 1856-1 Abgasanlagen - Anforderungen an Metall-Abgasanlagen - Teil 1: Bauteile für System-Abgasanlagen
  • DIN EN 13384-2 Abgasanlagen - Wärme- und strömungstechnische Berechnungsverfahren - Teil 2: Abgasanlagen mit mehreren Feuerstätten
  • DIN EN 14785 Raumheizer zur Verfeuerung von Holzpellets - Anforderungen und Prüfverfahren
  • DVGW G 635 Gasgeräte für den Anschluss an ein Luft-Abgas-System für Überdruckbetrieb (standardisiertes Verfahren)
  • DVGW G 636 Gasgeräte für den Anschluss an ein Luft-Abgas-System für Unterdruckbetrieb (standardisiertes Verfahren)

Die genannten Dokumente können unter anderem beim Beuth- Verlag unter www.beuth.de bezogen werden.


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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. März 2011 um 17:53 Uhr