Donnerstag, 23 Mär 2017
 
 
Brennraumkörbe für Pellets PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Freitag, den 11. November 2011 um 16:27 Uhr

Brennraumkörbe für den Brennstoff Pellets für die Verwendung in Feuerstätten für feste Brennstoffe

Uns liegen immer wieder Anfragen zu Pellet-Feuerraumeinsätze verschiedenster Konstruktion für die Verwendung in Feuerstätten für feste Brennstoffe (z.B. Kaminöfen, Kachelöfen oder Kamineinsätze) vor.

Diese Produkte bestehen in der Regel aus rechteckigen, quadratischen oder runden nach oben offenen Körbe aus Drahtgeflecht oder Lochblech. Sie werden mit Holzpellets handbeschickt und mit einer Anzündhilfe in der Regel von oben gezündet.

Diese „Feuerraumeinsätze“ werden im Handel oft als Pelletbrennkasten, Pelletkorb, Kaminbrennkorb, Brennkammereinsatz, Ofeneinsatz oder auch als Kaminkorb bezeichnet und sollen alternativ zu Scheitholz auch Pellets verfeuern können. Gemäß Produktbeschreibung werden die Brennkörbe in den Feuerraum des Ofens gestellt und mit Pellet händisch beschickt.

Eine Werbeaussage die uns zugesendet wurde lautet in etwa so:

„Mit den Pelletbrennkorb können Sie Ihren Ofen genial einfach zum kostensparenden Pelletofen aufrüsten. Stellen Sie den Pelletbrennkorb einfach in Ihren konventionellen Ofen und sorgen Sie so für wohlige Wärme. Mit wenig Arbeitsaufwand, sehr wirtschaftlich und hocheffizient!“

In diesem Beitrag wollen wir nicht in Frage stellen, dass diese Werbeaussagen unter günstigen Randbedingungen zutreffen könnten.

Brennkammereinsätze sind keine eigenständigen Bauprodukte im Sinne des §2 Abs. 9 der Musterbauordnung. Deshalb ist aus Sicht des Autors auch kein entsprechendes bauaufsichtliches Verwendbarkeitsnachweisverfahren für solch ein Produkt möglich. Eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik Berlin (DIBt) ist nur in Kombination von der Brennbox  mit definierten und geeigneten Feuerstätten möglich. Diesbezüglich empfehlen wir aber für Interessierte eine Abstimmung mit dem DIBt zur Klärung des notwendigen Übereinstimmungsnachweisverfahrens.

Wird davon ausgegangen, dass diese Produkte nachträglich in geprüfte und mit einer CE-Kennzeichnung oder dem Ü-Zeichen gekennzeichneten Festbrennstoff-Feuerstätten für Scheitholz oder Kohlebriketts verwendet werden, so erfolgt eine Veränderung der Feuerstätte, die in der Regel nicht durch die notwendige Erstprüfung der Feuerstätte z.B. nach DIN EN 13240 für Kaminöfen, DIN EN 13229 für Kamineinsätze/Kachelöfen oder im Rahmen eines bauaufsichtlichen Nachweisverfahrens abgedeckt worden ist.

Im Rahmen einer Erstprüfung von Raumheizer für feste Brennstoffe nach DIN EN 13240 oder Kamineinsätze/Kachelöfen nach DIN EN 13229 müssen für jeden vom Hersteller als zulässig genannten Brennstoff die Anforderungen der entsprechenden Produktnorm nachgewiesen werden. Insbesondere sind hier die Anforderungen bei der Prüfung der Nennwärmeleistung (Emissionen und Wirkungsgrad) und der Brandsicherheit zu nennen.

Eine Verwendung eines Feuerraumeinsatzes für den Brennstoff Pellets ist dementsprechend nur zulässig, wenn eine Prüfung der Feuerstätten mit dem Feuerraumeinsatz im Rahmen des Konformitätsnachweisverfahrens zur CE-Kennzeichnung oder eine Zustimmung im Einzelfall durchgeführt wurde.

Die Verwendung von solchen Brennraumprodukten können aufgrund der Änderungen des Brennraums Gefahren entstehen. Zur Vermeidung solcher Gefahren bedarf es der prüftechnischer Erfassung und Bewertung der geänderten Brennräume. Gefahrenzuständen können aufgrund von geänderten Abbrandverhalten (möglicherweise Temperaturspitzen und damit verbunden Beeinträchtigung der Feuerraumbaustoffe oder auch Luftmangel und somit Verpuffungsgefahr) nicht ausgeschlossen werden.

Die typgeprüften Feuerstätten sind in der Regel hinsichtlich der Zuführung der Verbrennungsluft und der Feuerraumgeometrie bzw. der Heizgasführung auf die vom Hersteller als zulässig genannten Brennstoffe optimiert, um auch die strengen emissionstechnischen und Wirkungsgradanforderungen der 1. BImSchV einzuhalten.

Es ist fraglich ob die Feuerung mit einem Korb mit Pellets noch diese Anforderungen einhalten kann. Der Nachweis hierfür muss vom Hersteller durch eine Typprüfung erbracht werden.

Aus oben genannten Gründen sollte ohne einen Nachweis der Betriebssicherheit und der Verbrennungshygiene von einer Verwendung von solchen Brennkörben kritisch überdacht werden. In der Regel werden die bestehenden Feuerstätten unzulässig verändert.

Insbesondere sollten auch Haftungsfragen bei Schäden bedacht werden.

Hersteller oder Vertreiber solcher Produkte sollten auch Angaben über die Verbrennungsluftregelung der jeweiligen Feuerstätten geben, damit kein Schwachlastbetrieb mit unhygienischer Verbrennung und/oder Beschädigungen an der Abgasanlage auftreten (Verrussung und der Gefahr eines Schornsteinbrandes, Durchfeuchtung, Beschädigungen durch zu hohe Temperaturen,....).

Sollte dennoch ein Betrieb erwünscht werden, sollte mindestens der zuständige Kaminkehrer zur Rate gezogen werden.



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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 29. November 2011 um 20:25 Uhr