Donnerstag, 23 Feb 2017
 
 
Absorber für Warmwassererzeugung bei Öfen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Sonntag, den 09. Februar 2014 um 19:58 Uhr

Absorberofen - Bauaufsichtlicher Verwendungsnachweis für Feuerstätten mit wasserführenden Absorberplatten

Auf dem Markt werden seit einigen Jahren wasserführende Absorberplatten in Feuerstätten für feste Brennstoffe wie z.B. handwerklich erstellte Grundöfen zwischen Speicherkern und Aussenhülle zur Erzeugung von warmem Wasser eingebaut.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Wassererwärmungssystemen durch die Anordnung von Wassertaschen oder Wärmetauscherrohren um oder oberhalb des Feuerraums, werden bei Absorbersystemen vergleichbar wie bei Solarkollektoren großflächige Absorberplatten oder eng aneinander liegende Kupferrohre für die Warmwassererzeugung verwendet. Ein direkter Kontakt zwischen Absorber und Heizgas findet nicht statt.

Bei der Abnahme der Feuerstätte durch den Bezirksschornsteinfegermeister kommt es immer wieder aufgrund des fehlenden bauaufsichtlichen Verwendungsnachweises zu Diskussionen.

In der Regel handelt es sich um Wasser-Wärmetauschersysteme welche individuell an die Feuerstätte angepasst und zusammen mit dieser vor Ort errichtet werden. Für handwerklich vor Ort erstellte, ortsfeste Feuerstätten gilt in Deutschland die TR-OL, die „Technische Regel zur Planung, Dimensionierung und Erstellung von Warmluftöfen, Kachelöfen und Putzöfen, Zentralen Warmluftschwerkraftheizungen, Feuerstätten über zwei Geschosse, Flächenheizungen, Hypokausten, Grundöfen, offenen Kaminen, Heizkaminen, Herden und Backöfen“. Diese technische Regel enthält allerdings keine Aussage oder Auslegungsbedingungen zu in die Feuerstätte integrierte Wasser-Wärmetauscher durch Absorbersysteme.

Wasser-Wärmetauscher werden bei werksseitig gefertigten Feuerstätten für vergleichbare Anwendungsfälle z.B. nach der Produktnorm DIN EN 13229 für Kamineinsätze oder Kachelofeneinsätze für feste Brennstoffe behandelt.

Allerdings werden an die wasserführenden Bauteile nach DIN EN 13229 Anforderungen gestellt, die konstruktiv bedingt von Absorbersystemen kaum erfüllt werden können.

Dies sind z.B. die Anforderungen an die Mindestweite von wasserführenden Wegen. Die Mindestinnenabmessungen von Wasserwegen durch den Hauptkörper in Feuerstätten für indirekte Wassersysteme müssen mindestens 20 mm betragen. Bei Unterschreiten der Mindestquerschnitte müsste die Gefahr des Verschlusses und der (lokal) nicht mehr durchströmten Wasserwege zusätzlich betrachtet werden.

Da Absorber-Wasserwärmetauschersysteme i.d.R. konstruktiv auch nicht mit einer thermischen Ablaufsicherung in Verbindung mit einem Sicherheitswärmetauscher ausgerüstet werden können, müsste nachgewiesen werden, wie die Verhinderung einer Überhitzung des Wassers unter den Randbedingungen der DIN EN 13229 oder der DIN EN 303-5 sichergestellt werden kann. Im Falle, dass keine Wärme mehr an das Heizungssystem abgegeben werden kann (z.B. Vorlauf/Rücklauf verschlossen, verkalkt oder vereist) dürfen die Wasseremperaturen im Wärmetauschersystem 110 °C nicht überschreiten.

Gemäß den oben aufgeführten Grundlagen und dem Umstand, dass Feuerungsanlagen gemäß Bauordnungen der Länder bauliche Anlagen sind, die unter Verwendung von Bauprodukten hergestellt werden, besteht die Notwendigkeit, für eine Verwendung in Deutschland einen bauaufsichtlichen Nachweis z.B. in Form einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das DIBt zu führen.

Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen werden durch das Deutsche Institut für Bautechnik erteilt auf der Grundlage des Nachweises sicherheitstechnischer und funktionstechnischer Anforderungen. Der Nachweises dieser Anforderungen sind üblicherweise Prüfungen durch eine anerkannte Prüfstelle wie z.B. TÜV SÜD Industrie Service GmbH.

Hinsichtlich der notwendigen Nachweise wurden vom Deutschen Institut für Bautechnik für Wärmetauscher, die einer Feuerstätte nachgeschaltet sind (Abgaswärmetauscher), in einem entsprechenden Prüfprogramm die folgenden Anforderungen aufgestellt, die auch auf in die Feuerstätte integrierte Wärmetauscher anwendbar sind:

  • Bewertung der konstruktiven Gestaltung (Bewertung der Werkstoffeigenschaften, Schweißverfahren, Wasserwege, Dichtheit,…)
  • Prüfung der Energieeffizienz
  • Druckprüfung der wasserführenden Bauteile (2x maximaler Absicherungsdruck)
  • Bewertung der Reinigungsmöglichkeit
  • Prüfung der Sicherheit gegen Überhitzen
  • Prüfung der sicherheitstechnischen Ausrüstung (z.B. Verwendung eines geeigneten Druckventil, geeignete thermische Ablaufsicherung,..)

Eine Schwierigkeit der Nachweisführung dürfte auch in der Tatsache liegen, dass Wasser-Wärmetauschersysteme i.d.R. individuell an die jeweilige Feuerstätte angepasst werden können- Somit gilt eine Prüfung als Grundlage für einen Antrag auf eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung nur für ein definiertes System, oder es müssten verschiedene Größen bzw. Ausführungen von Absorbersysteme definiert werden und für diese definierten Produkte einige ausgewählte Systeme (üblicherweise die größte und kleinste Baugröße) stellvertretend geprüft und bewertet werden.

Nach Erteilung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung muss die Feuerstätte mit dem Übereinstimmungskennzeichen (Ü-Zeichen) gekennzeichnet werden.

Hinsichtlich der Anbindung der wasserführenden Bauteile an ein Heizungssystem ist DIN EN 12828 „Heizungssysteme in Gebäuden“ zu beachten.

Alternativ zu der Erlangung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das DIBt kann bei bereits errichteten Feuerstätten auch eine Zustimmung im Einzelfall bei der zuständigen obersten Bauaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes beantragt werden, wobei dafür üblicherweise vergleichbare Nachweise für den Einzelfall vorgelegt werden müssen.


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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 11. Februar 2014 um 06:43 Uhr