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FAQ - Häufig gestellte Fragen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Sonntag, den 18. Oktober 2009 um 19:01 Uhr
  1. Warum können Pelletöfen (Raumheizer für Pellets) nicht mit einem CE-Kennzeichen nach der Bauproduktenrichtlinie gekennzeichnet werden, obwohl die Produktnorm DIN EN 14785 "Raumheizer für die automatische Verfeuerung von Holzpellets" verfügbar ist? Antwort

  2. Was ist eine harmonisierte Norm? Antwort

  3. Müssen neue Raumheizer (Kaminöfen) für feste Brennstoffe noch eine selbstschließende Feuerungstüre (Feuerraumtüre) haben, die mit einem Mechanismus versehen ist, welcher verhindert, dass die Türe beim Betrieb des Ofens offen stehen bleiben kann? Antwort


1. Warum können Pelletöfen (Raumheizer für Pellets) nicht mit einem CE-Kennzeichen nach der Bauproduktenrichtlinie gekennzeichnet werden, obwohl die Produktnorm DIN EN 14785 "Raumheizer für die automatische Verfeuerung von Holzpellets" verfügbar ist?

Die Ausgabe des "Official Journal of the European Communities" legt den Zeitpunkt für die Anwendung der harmonisierten europäischen Normen im Bereich Feuerstätten für feste Brennstoffe fest. Ab diesem Zeitpunkt ist die Kennzeichnung mit dem CE - Zeichen möglich.

Mit der Bekanntmachung der DIN EN 14785 als harmonisierte Norm nach § 3 Abs. 1 Satz 2 des Bauproduktengesetz im Bundesanzeiger ist die DIN EN 14785 auch in Deutschland offiziell anwendbar und die Feuerstätte mit dem CE - Kennzeichen in Verkehr zu bringen.

Diese Bekanntmachung ist noch nicht vorgenommen worden.

Die meisten Hersteller kennzeichnen deshalb Pelletöfen nach der Maschinenrichtlinie.

Achtung, nicht mehr aktuell, eine Überarbeitung des Artikels steht an (16.10.2010, Dirk Weisgerber)

Nach langjähriger Wartezeit ist DIN EN 14785:2006 "Raumheizer für Pellets" europäisch harmonisiert worden.

Die Veröffentlichung der EN 14785:2006 im Amtsblatt der Europäischen Union legt den Zeitpunkt für die Anwendung der europäisch harmonisierten Norm EN 14785 für Pelletöfen / Pelletraumheizer fest. Ab dem 01.01.2010 ist somit die EN 14785 als harmonisierte europäische Norm verbindlich anzuwenden. Ab diesem Zeitpunkt ist die Kennzeichnung mit dem CE- Zeichen möglich.

Die Übergangsfrist für die Umsetzung dieser Harmonisierung beträgt 1 Jahr. Das bedeutet, dass ab dem 01.01.2011 die CE- Kennzeichen und die Konformitätserklärung auf Basis der europäisch harmonisierten Norm EN 14785:2006 auf Basis der Bauproduktenrichtlinie für alle Pelletöfen verbindlich anzuwenden ist.

Weitere Informationen sind in diesem Beitrag zu finden:

DIN EN 14785:2006-09 „Raumheizer zur Verfeuerung von Holzpellets – Anforderungen und Prüfverfahren“


2. Was ist eine harmonisierte Norm?

Im normalen Sprachgebrauch wird oft nicht zwischen Europäischer Norm und harmonisierter Norm unterschieden. Eine harmonisierte Norm ist eine Europäische Norm, die im Auftrag - „Mandat“ - der Europäischen Kommission und des EFTA-Sekretariats (Europäische Freihandelsassoziation) erstellt wurde, um die wesentlichen Anforderungen einer Europäischen Richtlinie zu unterstützen.

Nicht jeder Abschnitt einer Europäischen Norm muss durch diesen Auftrag abgedeckt sein. Es können auch zusätzliche Bestimmungen in den Normtext aufgenommen werden. Man unterscheidet dann zwischen geregeltem - den Bestimmungen der Europäischen Richtlinien unterworfenem - und freiwilligem Bereich. Dieser Zusammenhang wird durch einen Anhang erläutert, der als „Anhang ZA“ am Ende jeder mandatierten Norm aufgenommen wird.

Im Wesentlichen ist der Prozess der Erstellung der harmonisierten Norm gleich mit dem der Europäischen Norm. Zusätzlich wird bei der offiziellen Umfrage ein CEN-Konsulent (CEN = Europäisches Komitee für Normung) eingeschaltet, der den Europäischen Normenentwurf auf Einhaltung mit den Bestimmungen des Mandatstextes und der wesentlichen Anforderungen der entsprechenden Europäischen Richtlinie(n) überprüft.

Oft fällt eine mandatierte Norm unter mehrere Europäische Richtlinien. Zum Beispiel fällt ein Normungsvorhaben für Pelletöfen mit maschineller Brennstoffbeschickung u.a. unter die Maschinen-Richtlinie, die Bauprodukten-Richtlinie, die Richtlinie für elektromagnetische Verträglichkeit und der Niederspannungsrichtlinie. Entsprechend viele CEN-Konsulenten geben dann jeweils für ihren Aufgabenbereich eine Stellungnahme ab. Dabei wird auf maximale Widerspruchsfreiheit geachtet.

Bevor die formelle Abstimmung (Formal Vote) über die mandatierte Norm eingeleitet wird, wird der CEN-Konsulent noch mal eingeschaltet. Er muss innerhalb von vier Wochen den Schlussentwurf zur formellen Abstimmung freigeben oder er gibt eine negative Beurteilung ab. Bei Ablehnung durch den CEN-Konsulenten wird eine Lösung zwischen dem Konsulenten, dem Vorsitzenden und Sekretär des jeweiligen CEN/TC sowie dem Leiter und dem Sekretär der betroffenen CEN-Arbeitsgruppe herbeigeführt.

Ist das Ergebnis der formellen Abstimmung im Sinne der CEN/CENELEC Geschäftsordnung positiv, so wird die Europäische Norm an die CEN-Mitglieder zur Übernahme in das nationale Normenwerk durch das CEN Management Centre ausgesendet. Parallel dazu werden die Europäische Kommission und das EFTA-Sekretariat benachrichtigt. Zu diesem Zeitpunkt ist die mandatierte Europäische Norm noch immer lediglich ein „Kandidat“ für eine harmonisierte Norm.

Erst nach Eintragung der Europäischen Norm in das Amtsblatt der Europäischen Union unter Nennung der jeweils zutreffenden Richtlinie wird die Europäische Norm zur harmonisierten Norm. Von nun an kann sie - bei manchen Richtlinien muss sie sogar - zur konkreten Umsetzung einer Europäischen Richtlinie genutzt werden, zum Beispiel zum Nachweis der Konformität mit einer Richtlinie. Die Mitgliedstaaten müssen ebenfalls die Fundstelle der nationalen Norm, die eine harmonisierte Norm umsetzt, veröffentlichen. Dies geschieht in Deutschland i.d.R. in den offiziellen Organen der zuständigen Behörden (z. B. Bundesarbeitsblatt). Hier sind die Normen mit und ohne Vermutungswirkung getrennt gelistet.

 


3. Müssen neue Raumheizer (Kaminöfen) für feste Brennstoffe noch eine selbstschließende Feuerraumtüre haben, die mit einem Mechanismus versehen ist, welcher verhindert, dass die Türe beim Betrieb des Ofens offen stehen bleiben kann?

Die für Raumheizer (Kaminöfen) für feste Brennstoffe maßgebende Produktnorm DIN EN 13240 stellt keine Anforderungen an eine selbstschließende Feuerraumtür.

Gemäß DIN EN 13240 gibt es lediglich einen bestimmungsgemäß nach der Produktdokumentation des Herstellers definierten Betrieb mit geschlossener Tür und/oder offener Tür. Die nach der alten im Jahr 2005 zurückgezogene DIN 18891 „Kaminöfen für feste Brennstoff“ unterschiedenen Bauarten 1 (selbstschließende Feuerraumtür) und Bauart 2 (auch offener Betrieb) werden in der Nachfolgenorm DIN EN 13240 nicht mehr genannt.

Aber aus Sicherheitsgründen sollte unterschieden werden:

  • Raumheizer (Kaminöfen) nach DIN EN 13240 benötigen bei Anschluss an einen eigenen Schornstein (Einfachbelegung) gemäß der Produktanforderung von DIN EN 13240 keine selbstschließende Feuerraumtür und
  • Raumheizer (Kaminöfen) nach DIN EN 13240 sollten bei mehrfachbelegten Schornstein gemäß deutschen Verwendungsregeln und sicherheitstechnischen Betrachtungen mit einer selbstschließende Feuerraumtür ausgerüstet sein.

Gemäß DIN EN 13240, Abschnitt 5.1 muss der Nachweis der Eignung der Feuerstätte für Mehrfachbelegung durch eine „Sicherheitsprüfung bei natürlichem Förderdruck“ nach Abschnitt DIN EN 13240, A.4.9.3 erfolgen. Gemäß den Erläuterungen in Abschnitt A.4.9.3 wird diese Prüfung nur für Dauerbrand-Feuerstätten für den bestimmungsgemäßen Betrieb mit mineralischen Brennstoffen oder Torfbriketts durchgeführt, wenn sie für einen mehrfach belegten Schornstein geeignet sein sollen.

Gemäß der nicht baurechtlich eingeführten DIN 18896 „Feuerstätten für feste Brennstoffe, Technische Regeln für die Installation“, Abschnitt 6.2.2 sind Feuerstätten, die die Anforderungen der DIN EN 13240 erfüllen und die bestimmungsgemäß nur mit geschlossenen Türen betrieben werden können oder eine selbstschließende Feuerraumtür haben für die Mehrfachbelegung geeignet.

Gemäß Feuerungsverordnung (z.B. BayFeuV 11/2007, § 7, Abschnitt 4) dürfen mehrere Feuerstätten an einen gemeinsamen Schornstein, an eine gemeinsame Abgasleitung oder an ein gemeinsames Verbindungsstück nur angeschlossen werden, wenn durch die Bemessung und die Beschaffenheit der Abgasanlage die Ableitung der Abgase für jeden Betriebszustand sichergestellt ist (u.a. feuerungstechnische Bemessung nach DIN EN 13384-2).

Eine Mehrfachbelegung mit einem Kaminofen mit einer offenen Feuerraumtür oder einer irrtümlich aufgelassenen Tür (weil nicht selbstschließenden Tür) könnte zu kritischen Zuständen führen, wenn z.B. Heizgase aus der offenen (ggf. nicht betriebenen) Feuerstätte austritt.

Deswegen ist aus sicherheitstechnischen Gründen auch im Rahmen einer möglichen Produkthaftung eine selbstschließende Feuerraumtür bei Mehrfachbelegung nur zu empfehlen.

Weitere Informationen zu einer Mehrfachbelegung von Festbrennstoff - Feuerstätten sind in folgenden Beiträgen zu finden:

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 12. April 2011 um 19:05 Uhr