Donnerstag, 23 Mär 2017
 
 
EOTA - Techniche Zulassungen
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Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Samstag, den 24. Oktober 2009 um 17:34 Uhr

EOTA

EOTA
(European Organisation for Technical Approvals)

Die Bauproduktenrichtlinie (BPR) sieht zwei Arten technischer Spezifikationen vor:

  • harmonisierte europäische Normen und
  • europäische technische Zulassungen.

Sie legt fest, dass die Mitgliedstaaten Stellen zur Erteilung europäischer technischer Zulassungen ermächtigen und dass diese sich zusammenschließen sollen. Aufgrund dieser Bestimmungen der BPR wurde die Europäische Organisation für Technische Zulassungen (European Organisation for Technical Approvals – EOTA) gegründet.

In der EOTA sind nicht nur Zulassungsstellen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union organisiert, sondern auch aus zwei weiteren Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), Island und Norwegen. Eine europäische technische Zulassung gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat des EWR.

Eine Europäisch Technische Zulassung (ETA) ist nach der BPR ein Nachweis für die Brauchbarkeit eines Bauprodukts. Sie beruht auf Prüfungen und Untersuchungen sowie einer darauf basierenden technischen Beurteilung durch die Zulassungsstellen der EOTA. Eine ETA kann auf Antrag eines Herstellers von jedem der Mitgliedsinstitute erteilt werden. Allerdings decken nicht alle der in der EOTA zusammengeschlossenen Zulassungsstellen sämtliche Bereiche des Bauwesens ab. Dies führt dazu, dass eine Reihe von Mitgliedstaaten (Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Spanien, Tschechien) mehrere Stellen benannt haben.

Insgesamt arbeiten derzeit 45 Zulassungsstellen in der EOTA mit.

Das DIBt ist die einzige von Deutschland benannte Zulassungsstelle. Es ist für alle Bereiche des Bauwesens zuständig mit Ausnahme des Verkehrswegebaus, der national in den Verantwortungsbereich des Bundes fällt.

Europäische technische Zulassungen können im Wesentlichen dann erteilt werden, wenn die Erarbeitung einer harmonisierten Norm für den betroffenen Produktbereich nicht vorgesehen ist, oder wenn das Produkt wesentlich von einer solchen harmonisierten Norm abweicht.

In Sonderfällen kann die Europäische Kommission außerdem für einen Produktbereich die Erteilung einer ETA gestatten, für den die Erarbeitung einer harmonisierten Norm vorgesehen wurde, wenn deren Erarbeitung auf absehbare Zeit nicht abgeschlossen sein wird. Diese Genehmigung erfolgt dann für einen befristeten Zeitraum.

Für derzeit 27 Produktbereiche liegen innerhalb der EOTA erarbeitete Leitlinien für die Erteilung von europäischen technischen Zulassungen vor.

Grundlage für die Arbeit an diesen Leitlinien war jeweils ein Arbeitsauftrag (»Mandat«) der Europäischen Kommission. Ein solcher Arbeitsauftrag kann je Produktbereich nur entweder an das Comité Européen de Normalisation/ European Commitee for Electrotechnical Standardization (CEN/CENELEC) zur Erarbeitung von Normen oder an die EOTA zur Erarbeitung einer Leitlinie gegeben werden. Daher ist dort, wo Leitlinien erarbeitet worden sind bzw. erarbeitet werden, eine Prüfung auf eventuell existierende oder in Arbeit befindliche harmonisierte Normen nicht erforderlich.

Das DIBt ist an der Erarbeitung aller Zulassungsleitlinien beteiligt. Wird ein Antrag auf Erteilung einer ETA für ein Produkt gestellt, für das kein Mandat für die Erarbeitung einer Leitlinie existiert, ist die Freigabe für die Erteilung einer europäischen technischen Zulassung ohne Leitlinie bei den Kommissionsdiensten zu beantragen. Die Freigabe für ein Produkt, für das die Erarbeitung einer harmonisierten Norm nicht vorgesehen ist, erfolgt durch die Europäische Kommission nach Bestätigung durch CEN.

Für ein Produkt, das wesentlich von einer harmonisierten und im Amtsblatt der EU veröffentlichten Norm abweicht, wird von der Kommission die Eignung des Produktbereichs für die Erteilung von ETAs ohne Leitlinie direkt bestätigt. Betrifft ein ETA-Antrag einen Produktbereich, für den die Genehmigung der Kommission für die Erteilung von ETAs ohne Leitlinie bereits vorliegt, muss von EOTA keine erneute Freigabe bei den Kommissionsdiensten beantragt werden.

Wenn die Freigabe durch die Kommissionsdienste für die Erteilung von ETAs ohne Leitlinie vorliegt, werden in der EOTA in einem schriftlichen Verfahren produktbezogene, gemeinsame Beurteilungsgrundlagen erarbeitet. Die Federführung liegt bei der Zulassungsstelle, bei welcher der ETA-Antrag gestellt worden ist. Die ETA wird dann auf der Basis der innerhalb der EOTA abgestimmten Beurteilungsgrundlagen erteilt. Da dieses Verfahren sich als flexibler und damit schneller als die Erarbeitung von Leitlinien erwiesen hat, wird dieses Verfahren inzwischen von der EOTA und auch von den Kommissionsdiensten bevorzugt.

Die erste europäische technische Zulassung wurde im Jahr 1998 vom DIBt ausgestellt. Ende September 2008 sind weit über 1.200 Zulassungen gültig. Davon sind über 230 ohne Leitlinie aufgrund gemeinsamer Beurteilungsgrundlagen erarbeitet worden. Das DIBt erteilte knapp die Hälfte der gültigen europäischen technischen Zulassungen.

Weitere Informationen zur EOTA sind hier zu finden.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 18:52 Uhr