Donnerstag, 23 Mär 2017
 
 
Bauproduktenrichtlinie 89/106/EWG
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Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Mittwoch, den 14. Oktober 2009 um 19:12 Uhr
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Bauproduktenrichtlinie
Konformitätsbescheinigung
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Anwendung der Bauproduktenrichtlinie für Raumheizer für feste Brennstoffe

Mit der Einführung der Bauproduktenrichtlinie "Richtlinie 89/106/EWG über Bauprodukte" wird auf europäischer Ebene versucht, die Anforderungen an Bauprodukte zu harmonisieren, um Handelshemmnisse abzubauen und einen freien Warenverkehr zu ermöglichen.

Die harmonisierten Anforderungen an Bauprodukte werden in technischen Spezifikationen (harmonisierte Europäische Normen EN oder Europäische Technische Zulassungen ETA) festgelegt.

Häusliche Feuerstätten für feste Brennstoffe unterliegen ebenfalls den Regelungen der Bauproduktenrichtlinie, auch wenn sie nicht zu den herkömmlichen Bauprodukten zählen.

Produkte, die mit den Anforderungen einer technischen Spezifikation übereinstimmen, dürfen mit dem CE-Kennzeichen kenntlich gemacht und ungehindert in Verkehr gebracht und gehandelt werden, da sie im Sinne der Bauproduktenrichtlinie brauchbar sind.

Die Umstellung von ausschließlich nationalen Anforderungen an Produkte wie Einzelraumfeuerstätten auf europäische Regelungen erfordert zahlreiche Anpassungen in den einzelnen Mitgliedstaaten. Die nationalen Regelwerke müssen den europäischen Vorgaben angepasst werden und gleichzeitig muss die Verwendung der Produkte, die im Sinne der Richtlinie brauchbar sind, auf nationaler Ebene geregelt werden.

Weiterhin werden unabhängige Stellen (Prüfstellen) benötigt, die die Brauchbarkeit eines Bauproduktes durch Prüfen, Überwachen und / oder Zertifizieren nachweisen.

Um als unabhängige Stelle diese Aufgaben durchführen zu können, muss jeder Mitgliedstaat die von ihm anerkannte, unabhängige Stelle der Europäischen Kommission und damit auch den anderen Mitgliedstaaten mitteilen (notifizieren).

Für fast alle Raumheizer ist im Normungsauftrag (Mandat) der Europäischen Kommission für die Europäischen Normen festgelegt, dass notifizierte Stellen für die Prüfung wie z.B. die Feuerstättenprüfstelle des TÜV SÜD, Überwachung und Zertifizierung des Produktes eingeschaltet werden.

Eine Besonderheit der Bauproduktenrichtlinie ist, dass das Konformitätszerklärung in der Amtssprache bzw. den Amtssprachen des Landes zu erstellen sind, in das das Produkt geliefert wird. Für Raumheizer wie Kaminöfen oder Kamineinsätze bedeutet das, dass die Warnhinweise anhand der Richtlinie 2001/95/EG und nach DIN EN 13240 bzw. DIN EN 13229 schriftliche Anleitungen für Installation, Betrieb, Wartung und ggf. für den Zusammenbau in der Amtssprache des Landes verfasst sein müssen in das es geliefert wird. Alle anderen Texte auf dem Kamineinsatz und Geräteschild sind in der Sprache frei wählbar.

Sind die Bestimmungen des Anhangs erfüllt, so stellt der Hersteller oder sein im EWR ansässiger Bevollmächtigter eine Konformitätserklärung aus, welche das Anbringen der CE-Kennzeichnung erlaubt, und erhält diese aufrecht.

Die Konformitätserklärung umfasst:

  • Name und Anschrift des Herstellers oder seines im EWR ansässigen Bevollmächtigten und Herstellungsort
  • Beschreibung des Produkts (Typ, Bezeichnung, Verwendung ...) und eine Kopie der Informationen zur CE - Kennzeichnung
  • Vorschriften, denen das Produkt entspricht (z. B. Anhang ZA dieser EN)
  • besondere Bestimmungen für die Verwendung des Produkts (z. B. unter besonderen Umständen)
  • Name und Anschrift (oder Kennnummer) der zugelassenen Prüfstelle
  • Name und Stellung der zur Unterzeichnung im Namen des Herstellers oder seines Bevollmächtigten ermächtigten Person.

Bauproduktenrichtlinie 98/34/EG, Bauproduktenverordnung (BauPrVO)

Der gemeinsame Binnenmarkt für Bauprodukte beruht auf drei „Pfeilern“:

1. Der gegenseitigen Anerkennung von technischen Vorschriften der Mitglied­staaten - gemäß Artikel 28 und 30, EG-Vertrag
2. Der Vermeidung neuer Handelshemmnisse durch die Verpflichtung der Mitglied­staaten, Entwürfe neuer technischer Vorschriften der Kommission zu melden - gemäß Richtlinie 98/34/EWG.
3. Der Harmonisierung technischer Vorschriften für Bauprodukte – gemäß Richtlinie 89/106/EWG

Letztere, die  „Richtlinie des Rates vom 21.12.1988 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über Bauprodukte 89/106/EWG“ wurde bisher einmal durch die Richtlinie 93/68/ EWG geändert.

In Deutschland erfolgt die Umsetzung der Richtlinie durch das Bauproduktengesetz (BauPG) – Regelungen zum Handel und Inverkehrbringen der Bauprodukte - sowie durch die Bauordnungen der Länder – Regeln bezüglich der Verwendung.

Nach der Bauproduktenrichtlinie dürfen Bauprodukte nur dann in den Verkehr gebracht werden wenn sie so beschaffen sind, dass sie bei ordnungsgemäßer Planung und Bauausführung bestimmte Anforderungen erfüllen. Um eine Verbindung zwischen den wesentlichen Anforderungen an Bauwerke und den produktbezogenen Mandaten herzu­stellen, wurden im Rahmen der Richtlinie so genannte Grundlagendokumente erstellt. Diese untergliedern sich in nachfolgende Bereiche:

  • Mechanische Festigkeit und Standsicherheit
  • Brandschutz
  • Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz
  • Nutzungssicherheit
  • Schallschutz
  • Energieeinsparung und Wärmeschutz

Neben den Grundlagendokumenten gewährleisten die Leitpapiere den praktischen Voll­zug der Richtlinie. Diese haben keinen rechtsverbindlichen Charakter sondern stellen viel­mehr den schriftlich fixierten Konsens der Mitgliedstaaten und der Kommission über den Vollzug der Richtlinie dar.

Die Erarbeitung der Leitpapiere erfolgt durch die zuständigen Dienste der Europäischen Kommission in Absprache mit den über den Ständigen Ausschuss für Bauwesen vertre­tenen Mitgliedstaaten.

Die Bauproduktenrichtlinie unterscheidet grundsätzlich zwei Kategorien von Normen:

1. Harmonisierte Normen, welche aufgrund eines von der Kommission erteilten Auftrags (Mandats) von den Europäischen Normungsorgani­sationen erarbeitet werden. Die Erstellung der Mandate erfolgt durch die Kommission und über die im Ständigen Ausschuss für Bauwesen vertretenen Mitgliedstaaten gemäß der allgemeinen Leitlinien . Die Anwendung harmonisierter Normen ist freiwillig.

2. Anerkannte Normen sind die für Bauprodukte geltenden technischen Regeln in den Mitgliedstaaten der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), welche mit den wesentlichen Anforderungen der Bauproduktenrichtlinie  übereinstimmen.



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 18:57 Uhr