Freitag, 21 Jul 2017
 
 
DIN EN 13240 Raumheizer
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Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Sonntag, den 16. Mai 2010 um 05:34 Uhr

Erstprüfung nach DIN EN 13240 : 2005-10 „Raumheizer für feste Brennstoffe – Anforderungen und Prüfungen“

Anwendungsbereich

DIN EN 13240 beschreibt Anforderungen an Auslegung, Herstellung, Ausführung, Sicherheit und Leistungsvermögen (Wirkungsgrad und Emission), Anleitung und Kennzeichnung für die Typprüfung von Raumheizer für feste Brennstoffe. Raumheizer werden als frei stehende oder einzubauende Feuerstätte ohne funktionale Änderungen definiert. Ohne funktionale Änderung bedeutet eine Veränderung der Verkleidung der Feuerstätte, die die Wärmeabgabe verändert, die Verbrennung jedoch nicht beeinflusst.

Diese Feuerstätten beheizen den Aufstellungsraum. Sofern sie mit wasserführenden Bauteilen ausgestattet sind, beheizen sie auch Heizwasser und/oder Brauchwasser. Diese Feuerstätten können entsprechend der Bedienungsanleitung des Herstellers entweder feste mineralische Brennstoffe, Torfbriketts, Holzscheite, Holzbriketts oder mehrere dieser Brennstoffe verfeuern.

DIN EN 13240 gilt nicht für Feuerstätten mit Verbrennungsluftgebläse.
DIN EN 13240 gilt für nicht mechanisch beschickte Feuerstätten.

Normprüfung

Die Erstprüfung eines Geräts erfolgt am Prüfstand einer akkreditierten Prüfstelle. Die Erstprüfung erfolgt zum Nachweis der Konformität mit der Produktnorm und ist Bestandteil des Konformitätsbewertungsverfahrens zur CE-Kennzeichnung des Produkts.

Beim Prüfgegenstand kann es sich sowohl um einen Prototyp als auch um ein bereits in Produktion befindliches Gerät handeln. Das Gerät muss repräsentativ für die derzeitige bzw. zukünftige Produktion sein.

Nachfolgende wesentliche Prüfungen müssen bei einer Prüfung nach EN 13240 durchgeführt werden:

Leistungsprüfung bei Nennwärmeleistung

Es sind nach einer Vorprüfung 3 separate Prüfabbrände für Scheitholz bzw. 2 Prüfabbrände für mineralische Brennstoffe erforderlich.

Es werden jeweils der feuerungstechnische Wirkungsgrad, die Nennwärmeleistung, die Wasserwärmeleistung (falls wasserführende Teile vorhanden sind) und die Emissionswerte (gemäß Norm nur Kohlenmonoxid) ermittelt.
Die einzelnen Prüfabbrände werden nach dem Holz auflegen bei Grundglut gestartet. Beendet ist ein Prüfabbrand, wenn wieder Grundglut erreicht worden ist. Eingriffe in die Verbrennungsluftsteuerung sind während der Prüfabbrände nicht zulässig.

Für Zeitbrandfeuerstätten muss mit dem Prüfbrennstoff Scheitholz ein Prüfabbrand mindestens 45 Minuten andauern, mit mineralischem Brennstoff mindestens 60 Minuten andauern.

Für Dauerbrandfeuerstätten muss mit dem Prüfbrennstoff Scheitholz ein Prüfabbrand mindestens 90 Minuten andauern, mit mineralischem Brennstoff mindestens 240 Minuten andauern.

Die notwendigen Prüfabbrände müssen vergleichbar sein (Leistungsunterschied < 10%) ansonsten müssen weitere Prüfabbrände durchgeführt werden um die Anforderungen zu erfüllen.

Zusätzlich werden die Temperaturen in der Prüfecke, des Holzlegefachs und die Temperaturen von Bedienungsgriffen registriert.
Anmerkung: Die Prüfecke wird um die Feuerstätte aufgestellt und „simuliert“ brennbare Bauteile. Beim vom Hersteller angegebenen Abstand, dürfen die Temperaturen in der Prüfecke (Wände, Boden und Decke und im Strahlungsbereich der Feuerraumtüre) den zulässigen Wert von 65 Kelvin + Raumtemperatur nicht überschreiten.

EN 13240 hat  wie oben beschrieben nur Anforderungen an die Emission Kohlenmonoxid (CO < 1,0 Vol. % bei 13% O2-Bezug). Viele Länder haben jedoch weiterführende Anforderungen an geringere CO- Werte wie auch Anforderungen an staubförmige Emissionen und/oder Stickoxide (NOx) und/oder Kohlenwasserstoffe (CnHm, OGC). Wichtig ist für die Hersteller, dass bei der Prüfung der Nennwärmeleistung diese Werte von der Feuerstättenprüfstelle erfasst und bewertet werden. Dasselbe gilt für den Wirkungsgrad, EN 13240 fordert lediglich einen Mindestwirkungsgrad von 50%.

Auf Wunsch kann eine gute  Feuerstättenprüfstelle bei den heiztechnischen Versuchen zusätzlich zu den Normanforderungen auch die Abgaskennwerte NOx, CnHm und Staub messtechnisch erfassen. Damit kann die Feuerstätte hinsichtlich der strengeren leistungstechnischen und/oder emissionstechnischen Anforderungen, welche z.B. für örtliche Bestimmungen gefordert werden (z.B. nach der 1 BImSchV, nach der Brennstoffverordnung der Stadt München oder für Österreich gemäß Art. 15a B-VG), beurteilt werden.

Prüfung der Schwachlast und des Wiederhochheizens

Wenn eine Feuerstätte lt. Hersteller für Schwachlast geeignet ist muss eine gewisse Mindestbrenndauer eingehalten werden (Dauerbrandfeuerstätten für Scheitholz > 10 h, mineralische Brennstoffe > 12 h). Am Ende der Schwachlastprüfung muss es möglich sein das Feuer wieder zu entfachen.

Als Brennstoffmasse muss die identische Masse bei der Prüfung verwendet werden, wie bei der Nennlastprüfung.

Weitere Informationen zu Dauerbrand - Zeitbrand sind in diesem Beitrag zu finden.

Sicherheitsprüfung bei natürlichem Förderdruck

Bei Geräten, die für Dauerbetrieb und für Mehrfachbelegung einer Abgasanlage geeignet sind, wird überprüft, ob der Förderdruck unter bestimmten Randbedingungen 3 Pa unterschreitet. Oder, falls der Förderdruck 3 Pa unterschreitet, darf die Kohlenstoffmonoxidgesamtmenge im Abgas berechnet im Normzustand während eines Zeitraums von weiteren 10 h nach Unterschreiten von 3 Pa nicht mehr als 250 dm3 betragen.

Prüfung der Brandsicherheit

Die Feuerstätte wird in das Prüfeck mit vom Hersteller angegebenen Abständen aufgebaut.
Mit Fichte-Profilholz, als Gitter angeordnet und mit einer auf Basis der Feuerraumgrundfläche des Raumheizers berechneten Brennstoffmasse, wird der Raumheizer solange beschickt bis die Temperaturen in der Prüfecke nicht mehr ansteigen (Beharrungszustand). Die Verbrennungsluftregler werden maximal geöffnet und es wird ein erhöhter Förderdruck eingestellt (mind. 15 Pa). Die Prüfecktemperaturen (Wände, Boden, Decke, Holzlegefach und Prüfwand im Strahlungsbereich der Feuerraumtüre) dürfen den zulässigen Grenzwert von 65 Kelvin + Raumtemperatur nicht überschreiten.

Falls die Brennstoffmasse bei Nennwärmeleistung höher ist als die nach DIN EN 13240 berechnete Profilholzmasse für die Brandsicherheit, muss mit der größeren Masse für Nennwärmeleistung geprüft werden. Dies ist besonders bei hohen, schlanken Raumheizern mit kleiner Feuerraumgrundfläche zu beachten.

Druckprüfung für wasserführende Raumheizer

Alle wasserführenden Bauteile des Raumheizers und seiner Komponenten dürfen nicht undicht oder dauerhaft verformt werden, wenn diese der Druckprüfung und der Prüfung der Nennwärmeleistung unterzogen werden.

Bei der Druckprüfung wird der doppelte vom Hersteller angegeben maximal zulässige Betriebsüberdruck über mind. 10 Minuten angesetzt.
Hierbei dürfen alle wasserführenden Bauteile des Raumheizers weder undicht oder bleibend verformt werden.

Prüfung der thermischen Ablaufsicherung

Es wird geprüft, ob die thermische Ablaufsicherung öffnet, wenn die Kesseltemperatur des Wassers von 105 °C bzw. eine geringere Temperatur gemäß Hersteller erreicht wird.

Die Feuerstätte wird mit Nennlastmasse Prüfbrennstoff befüllt und bei Nennlastförderdruck betrieben.

DIN EN 13240 fordert hier nur eine Ausserbetriebnahme des Thermostaten und eine Reduzierung des Wasserdurchflusses, eine verantwortungsbewusste Prüfstelle wird aber in der Regel die Umwälzpumpe des Kesselkreislaufs abschalten und den Vor- und Rücklauf absperren (Simulation einer gestörten Wärmeabgabe wie z.B. Pumpenausfall, Pufferspeicher gefüllt, Vereisung...).

Die thermische Ablaufsicherung muss die Kaltwasserzufuhr des geeigneten Sicherheitswärmetauschers so früh öffnen, dass keine Kesselwassertemperaturen > 105 Grad Celsius auftreten.

Desweiteren werden noch weitere Anforderungen gemäß EN 13240 bewertet bzw. zusätzliche Anforderungen überprüft. Dabei handelt es sich u.a. um:

Anforderungen an Werkstoffe, Auslegung und Ausführung (z.B. Nenn-Mindestwanddicken von wasserführenden Bauteilen, Überlappung bzw. Einstecktiefe von Abgasstutzen, Fassungsvermögen des Aschekastens etc.).

Anleitungen für die Feuerstätte
Sämtliche gemäß Norm angeführten Punkte müssen in der Aufstell- bzw. der Bedienungsanleitung des Herstellers angeführt sein.

Kennzeichnung
Sämtliche lt. Norm angeführten Punkte müssen am Typenschild angeführt sein.
Raumheizer nach DIN EN 13240 müssen eine CE-Kennzeichnung als Verwendbarkeitsnachweis tragen.

Achtung bei Raumheizer mit wasserführenden Bauteilen muss von der Feuerstättenprüfstelle bei einem Druckliterprodukt > 50 bar x Liter die Anforderungen an die Druckgeräterichtlinie geprüft und bewertet werden. (Beispiel: Druckliterprodukt = 50 bar x Liter bei z.B. 25 Liter Wasservolumen und einem Absicherungsdruck von 2 bar).

Zusammengefasst muss die Einhaltung der grundlegenden Anforderungen der Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie) mit der Erstellung eines Prüfberichtes nachgewiesen werden. Gemäß Druckgeräterichtlinie muss von der Prüfstelle auch die Erstellung einer EG-Entwurfsprüfbescheinigung (Modul B1) durchgeführt werden.

DIN EN 13240 : 2011-03

Eine Überprüfung und Bestätigung von Normen findet in der Regel mindestens alle fünf Jahre statt. Die entsprechenden Normenausschüsse überarbeiten zur Zeit DIN EN 13240.

Der entsprechende Entwurf der neuen DIN EN 13240 - 2011 liegt vor, es darf aber aus Vertraulichkeitsgründen an dieser Stelle noch nicht darauf eingegangen werden. Bitte besuchen Sie uns diesbezüglich noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt.

Das Ausgabedatum der neuen DIN EN 13240 (Entwurf) wird 03/2011 sein.



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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 17:13 Uhr